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Herzlich willkommen zur zweiten Folge des Wikipedia-Podcasts. In der letzten Folge haben wir vor allem über Wikipedia an sich gesprochen: Was ist Wikipedia eigentlich, und warum ist sie so relevant, sowohl in der Vergangenheit als auch heute? Jetzt sprechen wir über die Relevanzkriterien. Was ist das eigentlich, was beinhalten sie, und wie sind sie aufgeteilt, für Personen, aber auch für Unternehmen?
Wir haben euch vorab noch ein paar interessante Zahlen mitgebracht. Aktuell sind in der deutschsprachigen Wikipedia etwas über drei Millionen Artikel veröffentlicht. Und insgesamt gibt es über eine Million Biografien von Personen jeglicher Art. Für Unternehmensartikel gibt es leider keine Statistik, weder für die deutschsprachige Wikipedia noch weltweit. Aber die Zahl ist natürlich schon enorm, einfach aufgrund der Größe von Wikipedia.
Um das Thema einmal logisch aufzuschlüsseln: Wir müssen unterscheiden zwischen den Relevanzkriterien für Unternehmen, die für viele von euch relevant sind, und den Relevanzkriterien für Personen. Vorab noch ein Hinweis: Das, was wir hier erzählen, gilt für die deutschsprachige Wikipedia. Pro Sprache gibt es unterschiedliche Relevanzkriterien. Die Relevanzkriterien in der englischsprachigen Wikipedia sind also andere als in der deutschen. Zur deutschsprachigen Wikipedia gehören alle Artikel, die in deutscher Sprache verfasst sind, und für die englische gilt das entsprechend.
Die Kriterien sind öffentlich einsehbar. Wenn ihr also spezifische Fragen habt, weil ihr zum Beispiel Sportler seid, eine Stiftung, eine religiöse Gruppe oder eine Partei, dann könnt ihr das einfach nachschauen. Gebt dafür bei Google „Wikipedia Relevanzkriterien“ ein. Dann kommt eine riesige Seite von Wikipedia selbst, und dort könnt ihr nachlesen, was für euch gilt. Wir starten mit den Relevanzkriterien für Unternehmen. Anton, schieß gerne los.
Genau, das ist ein wesentlicher Punkt, nach dem wir auch immer gefragt werden, wenn jemand anfragt: Ist meine Firma relevant genug? In den meisten Fällen gehen wir dann erst einmal die harten Kennzahlen durch. Es gibt harte und weiche Kriterien. Die harten sind sehr klar festgeschrieben, zum Beispiel, dass man 1.000 Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt oder einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro hat. Darüber hinaus sind börsennotierte Unternehmen relevant. Dazu kommt zum Beispiel noch die Anzahl der Standorte: Es müssen mindestens 20 sein. Auch das ist so eine Kennzahl.
Daran scheitern schon viele Unternehmen. Das sagt erst einmal nichts über die Firma aus, aber Wikipedia orientiert sich hier an Unternehmen, die eine gewisse Relevanz ausstrahlen. Und das sind meistens Unternehmen, die eine bestimmte Mitarbeiterzahl haben oder einen bestimmten Umsatz machen. Darüber hinaus gibt es weiche Kriterien. Das ist vor allem die Marktführerschaft, aber auch eine historisch gewachsene Bedeutung oder Tradition.
Genau. Und nicht vergessen: Es gibt noch das Thema innovative Vorreiterrolle. Das ist jetzt einmal aus den Relevanzkriterien für Wirtschaftsunternehmen vorgelesen. Bei diesen weichen Kriterien haben wir aber immer das Problem, dass wir sie nachweisen müssen. Wir können nicht einfach als Unternehmen sagen: „Hey, wir sind Marktführer.“ Idealerweise liegt eine Statistik oder Studie vor, möglicherweise aus der Presse, eine große Zeitung, die das einmal aufgeschlüsselt hat. Dann hat man darüber eine Chance.
Aber nicht verzagen, es gibt auch noch spezielle Relevanzkriterien für bestimmte Unternehmen. Ich lese einfach mal ein paar vor, damit man sich das vorstellen kann: Es gibt eigene Relevanzkriterien für Banken, für Brauereien, für Computer- und Videospielentwickler, für Fahrzeughersteller, für Messen und so weiter. Also auch für Unternehmen im weiteren Sinne, die sich nicht dem klassischen Wirtschaftsunternehmen zuordnen lassen. Und wenn das alles nicht hilft, haben wir immer noch die Möglichkeit eines Personenartikels.
Da steigen wir jetzt ein. Grundsätzlich ist das von Person zu Person unterschiedlich. Ich würde aber im ersten Schritt auf die allgemeinen Kriterien für Personen eingehen. Bei lebenden Personen ist das grundsätzlich eine überregionale Bekanntheit. Überregionale Bekanntheit heißt, dass es Medien im weitesten Sinne über eine Person geben muss, und zwar nicht nur aus dem regionalen Blatt, sondern überregional. Ehrlich gesagt kann man das nicht genau an einer Zahl festmachen. Das ist immer eine Abwägungssache. Im Zweifel sprecht einfach mit uns. Über diese allgemeinen Kriterien hinaus gibt es für Personen auch noch ganz spezifische Kriterien, und auf ein paar davon können wir einmal eingehen.
Auf jeden Fall. Der Klassiker ist eine Person aus der Wirtschaft oder ein Manager, der gern einen Artikel in der Wikipedia hätte. Sei es für die eigene Reputation, aber auch für Geschäftsabschlüsse: Wenn Kunden den Namen recherchieren, sollen sie dort eine vertrauenswürdige Quelle finden. Wie Martin gerade schon meinte, ist es dabei sehr entscheidend, dass die Person nicht durch ihre Position relevant wird, sondern dadurch, dass über sie berichtet wird. Sei es in Zeitungsartikeln oder online, und zwar nicht in Artikeln, die selbst bezahlt sind. Das sehen wir öfter, dass Advertorials gekauft werden, um sich in Zeitschriften oder Online-Magazinen zu platzieren.
Es geht darum, dass Redaktionen von sich aus über diese Persönlichkeit berichten und Themen aufgreifen, positiv wie negativ. Wenn eine gewisse Anzahl solcher Artikel vorliegt, kann man darauf aufbauen und begründen, dass diese Person überregional bekannt ist und damit einen Artikel bekommen kann, weil die breite Öffentlichkeit ein Interesse an dieser Persönlichkeit hat. Je nachdem natürlich, ob es sich um eine lebende Person handelt oder nicht.
Genau. Um noch einmal auf das Beispiel zurückzukommen, nehmen wir den CEO, also die C-Level-Ebene eines Unternehmens. Hier werden in der Regel neben anderen Kriterien die harten Kriterien des Unternehmens herangezogen. Ist das Unternehmen relevant, dann ist häufig, mit Ausnahmen, auch der CEO relevant, und andersherum. Es gibt aber, wie schon angeteasert, eine Vielzahl von Relevanzkriterien für verschiedene „Arten“ von Personen. Das können Autoren sein, Journalisten, Musiker oder Wissenschaftler. Auf die wichtigsten gehen wir kurz ein. Denn es kann sein, um beim Beispiel zu bleiben, dass der CEO auch Buchautor ist oder Professor an einer Universität. Dann kommt er unter Umständen nicht über seine Relevanz als CEO rein, aber zum Beispiel als Autor oder Wissenschaftler.
Deswegen zuerst kurz zu Autoren. Bei Autoren haben wir harte Kriterien: zwei Monografien, also zum Beispiel Romane, oder vier Sachbücher. Wenn man mindestens das in einem regulären Verlag veröffentlicht hat, dann hat man als Autor Anspruch auf einen Wikipedia-Artikel. Das ist natürlich sehr interessant.
„Regulärer Verlag“ ist auf jeden Fall ein gutes Stichwort. Genau an dieser Hürde scheitern viele, weil sie im Eigenverlag veröffentlichen. Sei es unter dem eigenen Namen oder indem sie eine Firma gründen, einen Verlag, in dem sie aber nur die eigenen Bücher veröffentlichen. Das gilt dann leider auch als Eigenverlag, und dadurch ist es schwierig zu behaupten, dass dieser Verlag unabhängig ist.
Ein weiteres Beispiel ist die Musik. Dort ist man vor allem relevant, wenn man bei etablierten Labels veröffentlicht oder mit ihnen zusammenarbeitet, oder wenn man ein Album mit mindestens fünf verschiedenen Titeln und 23 Minuten Spieldauer bei einem Musiklabel veröffentlicht hat. Das sind die harten Kriterien. Darüber hinaus zählen vor allem Rezeption in Fachmedien und Chartplatzierungen. Da sind wir wieder beim Thema: Wenn die breite Öffentlichkeit ohnehin von jemandem erfährt, zum Beispiel weil man die Künstlerin oder den Künstler aus dem Radio kennt, dann stellt sich die Frage der Relevanz gar nicht mehr. Wenn solche Punkte zutreffen, ist es schon sehr einfach, darauf einen Artikel aufzubauen.
Genau. Für Detailfragen und spezielle Fälle meldet euch natürlich gern bei uns. Es ist, wie gesagt, immer eine Abwägungssache. Vielleicht noch ein Beispiel, das wir häufiger haben: Wissenschaftler. Ich lese einmal aus den Relevanzkriterien vor: „Enzyklopädisch relevant sind Wissenschaftler, deren wissenschaftliche Arbeit im entsprechenden Fachgebiet als bedeutend angesehen wird. Dies gilt zumeist für Wissenschaftler, die eine Professur an einer anerkannten Hochschule haben.“ Das ist also wieder ein Relevanzkriterium, das nicht allzu hoch gesteckt ist und vielleicht für den einen oder anderen passt. Aber auch hier müssen Einzelfälle einzeln geprüft werden. Wie gesagt, all diese Kriterien sind öffentlich einsehbar, über eine einfache Suche nach „Relevanzkriterien Wikipedia“ oder direkt auf Wikipedia. Dort kann man alles im Detail nachlesen.
Generell muss man sagen, dass viele versuchen, selbst einen Artikel zu erstellen und online zu bringen, ohne sich jemals mit den Relevanzkriterien beschäftigt zu haben. Und da gibt es leider ganz oft die große Falle: Man stellt den Artikel online, und er wird abgelehnt, weil man nicht entsprechend argumentiert hat. Ein Unternehmer ist vielleicht als Unternehmer bekannt, hätte aber zum Beispiel über seine Buchveröffentlichungen argumentieren müssen, um die Kriterien zu erfüllen. Genau darauf kommt es an: dass man sich in seinem Fachgebiet mit den Relevanzkriterien auskennt und den Text darauf aufbauend schreibt.
Da auch noch ein Wort der Warnung. Wir haben immer wieder Fälle, in denen wir angefragt werden: „Schaut mal, ich habe schon meinen eigenen Wikipedia-Artikel hochgeladen, der ist abgelehnt worden. Was mache ich jetzt?“ Und wir müssen in 95 Prozent der Fälle sagen: Tut uns leid, wir können auch nicht mehr weiterhelfen, weil genau diese negative Argumentation schon im Raum steht. Der Artikel wäre vielleicht möglich gewesen, aber jetzt gibt es diese negative Historie zu dieser Person oder diesem Unternehmen, und auch wir können da nicht mehr helfen.
Das heißt: Der erste Schritt, bevor man überhaupt anfängt, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben, ist zu prüfen, ob die Relevanz vorhanden ist. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ihr kontaktiert zum Beispiel uns: Wir bieten den kostenlosen Relevanzcheck auf unserer Webseite an. Dort bekommt ihr relativ schnell eine Antwort, eine Zahl von 0 bis 100. Eine andere Möglichkeit, die Wikipedia selbst zur Verfügung stellt, ist der sogenannte Relevanzcheck. Googelt den einfach mal, dann findet man die entsprechende Seite. Das kann man sich wie ein Forum vorstellen. Dort schreibe ich: „Ich möchte einen Artikel über Unternehmen XY oder Person XY erstellen“, und argumentiere dann für mich.
Aber auch hier ein Wort der Vorsicht: Wenn ich schlecht für mich argumentiert habe und schon dort abgelehnt werde, dann stehen die Chancen auf einen späteren Wikipedia-Artikel sehr viel schlechter, auch wenn wir ihn später für euch schreiben würden. Alles, was jemals in irgendeiner Form auf Wikipedia war, wird nicht gelöscht, sondern in die Historie aufgenommen. Das heißt: Wenn man sich daran wagt, dann richtig und mit den richtigen Schritten.
Das ist auf jeden Fall ein gutes Schlusswort, denn wir kommen zum Ende dieser Folge. Wir haben einiges zu den Relevanzkriterien geklärt. Relevanzkriterien sind keine Bauchgefühl-Frage, sondern festgeschrieben. Die haben sich weder wir noch andere ausgedacht, sondern sie sind über die Community gewachsen und auf Wikipedia nachzulesen. Und der teuerste Fehler, den man machen kann, ist, sich ohne Information einfach heranzuwagen und es einfach mal zu versuchen.
Und genau das ist auch das Stichwort für die nächste Folge. Denn in Folge 3 wollen wir darüber sprechen, wie ein Artikel konkret entsteht: von der Quellenrecherche, welche Medien überhaupt infrage kommen, über das Schreiben in einem neutralen Stil bis hin zum eigenen Benutzerkonto bei Wikipedia, mit dem man den Artikel hochladen kann. Und auch über Sonderfälle: Wenn man schon einen Artikel hat, wie bearbeite ich ihn, und worauf kommt es an, damit die Überarbeitung nicht wie Eigenwerbung wirkt, sondern neutral geschrieben ist, angenommen wird und nicht womöglich sogar gelöscht wird.
Wir sprechen in der nächsten Folge auch über das Thema Offenlegung. Es ist eine offizielle Wikipedia-Richtlinie, dass man bezahltes Schreiben oder Schreiben im eigenen Interesse, also für sich selbst oder das eigene Unternehmen, offenlegen muss. Wann und wie das sinnvoll ist, klären wir in der nächsten Folge. Vielen lieben Dank fürs Zuhören. Wir hören uns, euer Team von wikiartikel.de.